WM-Kolumne vom 13.06.
Endlich wieder WM-Zeit. Die ganz große WM-Stimmung wie bei früheren Turnieren wird diesmal vermutlich nur schwer aufkommen. Viele Spiele laufen spät am Abend oder sogar nachts. Gemeinsame Fernsehabende, Public Viewing oder spontane Diskussionen am nächsten Morgen werden deshalb wohl eher die Ausnahme sein. Trotzdem freue ich mich auf die kommenden Wochen. Die Favoriten sind schnell genannt: Frankreich und Spanien gehen für mich als Topanwärter ins Rennen. Dahinter lauern mit Portugal und Argentinien zwei weitere Schwergewichte, die zusätzlich eine besondere Geschichte mitbringen. Für Cristiano Ronaldo und Lionel Messi dürfte es das letzte große Turnier ihrer Karrieren werden. Mein persönlicher WM-Tipp ist allerdings Brasilien. Vielleicht verfügen die Südamerikaner nicht über den stärksten Kader des Turniers, aber sie haben mit Carlo Ancelotti einen Trainer an der Seitenlinie, der den Unterschied ausmachen kann. Seine Erfahrung und Ruhe könnten zum entscheidenden Faktor werden. Zwei Mannschaften habe ich zudem als mögliche Überraschungen auf dem Zettel. Zum einen Norwegen mit seinen Superstars Erling Haaland und Martin Ødegaard. Zum anderen die Elfenbeinküste. Die Afrikaner bringen mit Yan Diomande, einem der aktuell besten Bundesliga-Spieler, und weiteren starken Einzelspielern jede Menge Qualität mit. Dass die Ivorer zudem Deutschlands zweiter Gruppengegner sind, macht die Sache noch interessanter. Und damit wären wir bei der deutschen Nationalmannschaft. Es fällt mir aktuell schwer, an einen ganz großen Wurf zu glauben. Vielleicht hat mich der typisch deutsche Pessimismus inzwischen ebenfalls erwischt. Die jüngsten Testspiele haben jedenfalls einige Fragezeichen hinterlassen. Besonders die Defensive wirkte gegen schnelle Offensivreihen anfällig, und auch im Angriff ist noch Luft nach oben. Natürlich sollte Deutschland das Auftaktspiel gegen Curaçao gewinnen. Gleichzeitig gilt gerade bei Weltmeisterschaften: Leidenschaft, Teamgeist und der Stolz, das eigene Land zu vertreten, können individuelle Qualitätsunterschiede schnell ausgleichen. Unterschätzen darf man deshalb niemanden. Hoffen wir also auf einen erfolgreichen Start unserer Nationalmannschaft – und auf ein Turnier, das uns trotz ungewöhnlicher Anstoßzeiten viele besondere Momente beschert.